Wettbewerbsfähigkeit sichern, Mittelstand stärken: Wo Bürokratie und Kosten zur Belastung werden
Wie sehr mittelständische Industrieunternehmen unter immer neuen Belastungen leiden, zeigt das Beispiel der Holder GmbH Oberflächentechnik in Kirchheim. Das familiengeführte Unternehmen steht für Innovation, Ausbildung und technologische Kompetenz in einer energieintensiven Branche – und macht zugleich deutlich, wo die Politik dringend nachsteuern muss. Holder ist in der Oberflächentechnik tätig und auf Beschichtungen sowie Korrosionsschutz spezialisiert.
Im Gespräch mit Jochen und Henri Holder sowie dem kaufmännischen Leiter Herrn Schneider wurde klar: Viele Unternehmen erleben derzeit einen wachsenden Politikfrust. Vor allem die ausufernde Bürokratie, hohe Energie- und Personalkosten sowie immer neue Berichtspflichten setzen den Betrieben spürbar zu. Förderprogramme seien zwar grundsätzlich sinnvoll und würden in Teilen auch greifen. In der Praxis scheitere vieles jedoch am enormen Aufwand für Antragstellung, Nachweise und Dokumentation.
Gerade für ein energieintensives Unternehmen wie Holder sind die Rahmenbedingungen in Deutschland zunehmend ein Wettbewerbsnachteil. Hohe Energiekosten, steigende Lohnnebenkosten und zusätzliche Belastungen durch Nachhaltigkeitsreporting, Datenschutzvorgaben, Brandschutzauflagen und Versicherungsanforderungen führen dazu, dass unternehmerische Energie immer stärker in Verwaltung statt in Wertschöpfung fließt. Umwelt- und Klimaschutz bleiben selbstverständlich wichtig. Entscheidend ist aber, dass Auflagen verhältnismäßig bleiben und nicht in Überregulierung umschlagen.
Hinzu kommt der zunehmende Mangel an Nachwuchs- und Fachkräften. Das Unternehmen bildet selbst aus – unter anderem Oberflächentechniker, Elektriker, IT-Fachkräfte und Industriekaufleute – und übernimmt damit Verantwortung. Dennoch wird es immer schwieriger, junge Menschen für technische Berufe zu gewinnen. Umso wichtiger ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Leistung, Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft stärken. Leistungsträger dürfen in unserem Land nicht das Gefühl bekommen, dass sich Engagement immer weniger lohnt.
Beeindruckend war zugleich, mit wie viel Innovationskraft und Verantwortungsbewusstsein hier gearbeitet wird. Holder entwickelt in vielen Bereichen neue Lösungen und investiert kontinuierlich in die Zukunft des Unternehmens. Besonders positiv aufgefallen ist bei einem Rundgang durch die Produktion auch der warme, freundliche und respektvolle Umgang mit den Mitarbeitenden. Das zeigt: Mittelständische Familienunternehmen sind nicht nur wirtschaftliche Leistungsträger, sondern oft auch Orte starker Unternehmenskultur und gelebter Verantwortung.
Wer den Industriestandort Baden-Württemberg sichern will, muss genau bei solchen Unternehmen ansetzen: weniger Bürokratie, mehr Verlässlichkeit, bezahlbare Energie, bessere Bedingungen für Ausbildung und Beschäftigung. Der Mittelstand braucht keine Sonntagsreden, sondern politische Entscheidungen, die ihm wieder Luft zum Atmen geben.








